1040 Steuerformular Postkarte MockUp

Das »Postcard«-Märchen

Wäre es nicht wunderbar, wenn sich Ihre Steuererklärung auf einer Postkarte machen ließe? Oder alternativ auf einem Bierdeckel, wie der CDU-Politiker Friedrich Merz vor einigen Jahren mal forderte? Vielleicht könnte man die lästige Pflicht dann gleich mit einem Besuch im Biergarten verbinden. Und zwischen den Strichen des Kellners für das zweite und dritte Bier notiert man kurz sein Einkommen, multipliziert dies mit einem einheitlichen Steuersatz, unterschreibt – und fertig ist das Ganze (während gleichzeitig auch noch das Aufkommen der Biersteuer steigt …)

 

Das berühmte Formular 1040

Ähnliches hatten auch US-Präsident Donald Trump und sein Finanzminister Steven Mnuchin im Sinn, als sie im vergangenen Jahr ihre Steuerreform vorstellten. Einkommenssteuer-Erklärungen sollten künftig auf eine »postcard« passen, so das Versprechen. Das berühmte Formular 1040 würde auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Und irgendwann dann auch die »flat tax« für alle eingeführt sein.

 

»The Flat Tax«

Ist ja grundsätzlich nichts Neues. Schon im Mittelalter zahlte man einfach den »Zehnt« an die Kirche oder einen Fürsten. Für seine »Steuerklärung« brauchte man also weder Bierdeckel noch Postkarte. Zehn Finger reichten. Der »Vater« der modernen »Flat Tax« ist Alvin Rabushka, Professor bei der Hoover Institution an der Stanford University in Kalifornien. Am 25. März 1981 stellte er im Wall Street Journal sein Konzept vor. Vier Jahre später erschien das Buch »The Flat Tax«. Ein Bestseller. Seither tingelt Rabushka als Politikberater durch die Welt. Zunächst für Ronald Reagan, dann für den Verleger Malcom S. Forbes Jr., der mit der Flat Tax einen ganzen Präsidentschaftskampf bestreiten wollte.

Zuletzt entdeckten auch einige europäische Rechte den Einheitssteuer-Guru für sich. Doch kein einziges industrialisiertes Land der Welt hat seinen Steuerdschungel abgeschafft und durch eine Flat Tax ersetzt, nicht einmal die Vereinigten Staaten. »Wegen Ideologie, Politik und verfilzten Interessen«, glaubt Rabushka. »Ich kann mir nur zwei Situationen vorstellen, in denen die Flat Tax in den USA eingeführt werden würde«, sinniert er über sein Lebenswerk. »Entweder wenn eine andere westliche Industrienation mit gutem Beispiel vorangeht und damit ein Wettbewerb um Kapital und gut ausgebildete Arbeitskräfte entfacht wird. Oder nach einer großen Katastrophe, wie etwa nach einem Atomkrieg, wenn Dokumente und Bewertungsgrundlagen einfach weg sind.«

 

Trumps Steuerreformpaket

Nun ja, soweit wollen wir es nicht gleich kommen lassen! Immerhin erfolgt ja jetzt ein neuer Anlauf unter Trump, in dessen Steuerreformpaket es zwar noch keine einheitliche Flat Tax gibt. Aber die Steuererklärung soll für 90 Prozent der privaten Haushalte doch so vereinfacht werden, dass sie eben auf jener berühmt-berüchtigten Postkarte Platz findet. Als der Internal Revenue Service jüngst das neue Steuererklärungsformular 1040 enthüllte, durfte das geneigte Publikum also gespannt sein. Finanzminister Steven Mnuchin jubelte, dank des neuen Dokuments »werden hart arbeitende Amerikaner nicht mehr so ​​viel Zeit damit verbringen müssen, ihre Steuererklärung auszufüllen«.

 

1040 Steuerformular Postkarte MockUp

 

Klingt gut, oder? Ein Blick auf eine Entwurfsversion des 1040-Formulars zeigt freilich, dass die Dinge nicht ganz so einfach sind wie sie scheinen. Zwar scheint die neue 1040 mit ihren 23 Zeilen deutlich kürzer zu sein als die bisherige mit ihren 79 Zeilen. Aber: Wie bisher müssen für Abzüge, Abschreibungen, Sonderausgabenpauschalen, Gutschriften etc. ergänzende Anlagen (Schedules) und Formulare hinzugefügt werden. In vielen Fällen sogar deutlich mehr als bisher. Das riecht schwer nach Mogelpackung. Wer beispielsweise Unterhaltszahlungen erhält, bestimmte Abzüge für Lehrer in Anspruch nehmen oder Energiegutschriften geltend machen will, muss eines von sechs neuen Anlageblättern verwenden. Einige Einträge, die bisher auf dem 1040 Steuerformular selbst zu vermerken waren, sind jetzt auf separaten Blättern aufzuführen. Eine bürokratische Schlankheitskur sieht anders aus.

 

Postkarte passé

Howard Gleckman vom Tax Policy Center, einem Washingtoner Think Tank, hält das Konzept einer »Postkarte« heutzutage ohnehin für passé. »Mehr als 90 Prozent von uns reichen unsere Steuererklärungen elektronisch ein – und ich vermute, wenn Sie die meisten 30-Jährigen nach Postkarten fragen, werden sie nicht einmal wissen, wovon Sie überhaupt reden.«

War der ganze Auftritt also vor allem ein PR-Gag, der Politikern vor allem eines bieten konnte: das, was man hier eine »photo op« nennt, also nette Bilder für die Medien? Fest steht, dass mit dem jetzt vorgestellten Steuerformular 1040 das Versprechen einer deutlich verschlankten Steuererklärung keineswegs eingelöst ist. Und das wird sich – so meine Prophezeiung – in den nächsten Jahren auch nicht ändern.


Mein Tipp: Bestellen Sie beim nächsten Kneipenbesuch lieber noch einen frisch gezapften Gerstensaft statt auf dem Bierdeckel rumzukritzeln – und überlassen Ihre Steuererklärung auch weiterhin den Profis.

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